16.12.2025
teo jakob gestaltet die öffentlichen Räume der Art Genève und zeigt am Stand B55 die Ausstellung «Condition d’usage».
Die Art Genève zählt zu den international etabliertesten Kunstmessen für zeitgenössische Kunst. Vom 29. Januar bis 1. Februar 2026 versammelt sie in der Palexpo Genf rund 80 internationale Galerien sowie institutionelle und private Sammlungen.
Seit über zehn Jahren prägt teo jakob die Gestaltung der öffentlichen Bereiche der Messe. Für die Ausgabe 2026 entstehen Lounges, Restaurant und die Ruinart Lounge in Zusammenarbeit mit de Sede, Fritz Hansen, USM, Röthlisberger und Zoom by Mobimex. Das räumliche Konzept von Elsa Puvilland strukturiert diese Bereiche als klar definierte, einladende Situationen.
Parallel dazu präsentiert teo jakob in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunstsammlung Teo Jakob am Stand B55 die Ausstellung «Condition d’usage», kuratiert von Christian Herren und Daan Couzijn. Was geschieht, wenn ein Gebrauchsobjekt seine Funktion verändert und zu einem künstlerischen Kommentar wird – oder wenn ein Kunstwerk den Anspruch erhebt, im Alltag ge- oder belebt zu werden? Unter dem Titel Condition d’usage präsentiert teo jakob am Stand B55 (Sektion I) eine Ausstellung, die sich im Spannungsfeld zwischen Kunst und Design entfaltet. Ausgangspunkt ist die Idee des «poetischen Möbels», die Dino Gavina vor 55 Jahren mit «Ultramobile» formulierte: Objekte, von Künstler:innen entworfen, die sich zwischen Skulptur und Möbel bewegen.
Als Pionier des modernen Wohnens führte teo jakob diesen Ansatz früh in der Schweiz ein – mit Arbeiten wie dem Tisch «Traccia» von Meret Oppenheim, getragen von Beinen, die an Vogelfüsse erinnern, der katzenhaften Sitzskulptur «Ron Ron» von Marion Baruch oder dem Spiegel «Les Grands Trans-Parents» von Man Ray, einer elliptischen Scheibe aus siebbedrucktem Glas. Diese drei Werke gehören zur historischen Werkgruppe «Ultramobile», sind in Condition d’usage zu sehen und bis heute über teo jakob erhältlich.
Der Stand ist als geschlossener Raum konzipiert, der an ein privates Interieur erinnert und zugleich fast ausschliesslich aus Kunstwerken besteht. Objekte, Möbel, Malereien und Spiegel formen ein Umfeld, in dem Nutzung und Bedeutung fortlaufend neu verhandelt werden. Viele Arbeiten operieren mit einem leisen Humor und bewusst irritierenden Verschiebungen: Jason Dodge entwirft Schuhe für eine Person mit drei Füssen, Maurizio Cattelan verwandelt einen Grabstein in einen Hocker, Ai Weiwei transformiert eine Fliegenklatsche in ein vergoldetes Objekt, das eine Spannung zwischen alltäglicher Geste und Symbolik erzeugt.
Historische Positionen wie der Tisch von Oppenheim treten in Dialog mit zeitgenössischen Arbeiten unter anderem von Sylvie Fleury, Lorenza Longhi, Sarah Morris und Daniel Buren. Ergänzt wird die Auswahl durch Werke aus der aktuellen Ausstellung des MAMCO Encore(s) von John M. Armleder sowie durch Möbelstücke aus dem Programm von teo jakob, die künstlerisch modifiziert wurden, etwa von Wade Guyton und Tal R.
Neben Werken der Stiftung Kunstsammlung Teo Jakob vereint die Präsentation Leihgaben aus privaten Sammlungen, von Institutionen, von Galerien sowie von «Parkett». Der Raum versteht das Interieur selbst als Condition d’usage: als offenes Gefüge für vielfältige Formen der Aneignung und Interpretation.
Am Stand B54 (Sektion II) wird die konzeptuelle Prämisse der Ausstellung verdichtet. Gezeigt wird die grossformatige Zeichnung «Bike Saddle» (1975) von Alfred Hofkunst, ursprünglich als Auftrag für die Gestaltung der Schaufensterauslage von teo jakob Bern entstanden. Als prägende Figur der Schweizer Kunst seit den 1970er-Jahren realisierte Hofkunst bereits ab den 1960er-Jahren zahlreiche Schaufenster und Plakate für das Unternehmen. Vor der Zeichnung sind mehrere Hocker «Selle» (1957) von Achille und Pier Giacomo Castiglioni angeordnet – ein Modell, das seit den 1960er-Jahren zum Programm von teo jakob gehört – und bilden gleichsam eine dreidimensionale Entsprechung des Sattel-Motivs. Die Gegenüberstellung von gezeichneter Darstellung und funktionalem Objekt verweist auf eine Haltung, die teo jakob seit Jahrzehnten prägt: die Nähe zwischen Kunst und Gebrauch.
Kurator:innen: Christian Herren und Daan Couzijn
Illustrationen: Moritz Kammer
Grafik: Salzmann Gertsch
Mit herzlichem Dank an alle Leihgeber:innen.
E.A.T. x Art Genève – Talk, 31.1.2026, 16–17 Uhr
Im Rahmen der Art Genève findet am Samstag, 31. Januar 2026, 16–17 Uhr, ein Talk von E.A.T. x Art Genève statt. Auf dem Podium stehen die Künstlerin Mai-Thu Perret, der Autor Théo Casciani sowie der Herausgeber Clément Dirié und der Kurator Christian Herren. Im Zentrum steht die Frage, wie zeitgenössische Bücher entstehen – zwischen Archivmaterial, Bildwelten, Erzählform und editorischer Struktur.
Ausgangspunkt des Gesprächs sind drei neue Publikationen: der «E.A.T. Index» (JRP|Editions), der Gespräche und Statements aus fünfzehn Jahren Engadin Art Talks mit Beiträgen von über 200 internationalen Stimmen aus Kunst, Architektur und Wissenschaft versammelt; «Grammar & Glamour» (JRP|Editions), die neue Monografie von Mai-Thu Perret; sowie «Insula» (P.O.L), der jüngste Roman von Théo Casciani.
Der Talk lässt sich gezielt mit dem Messebesuch verbinden: teo jakob gestaltet die öffentlichen Bereiche der Art Genève und zeigt am Stand B55 gemeinsam mit der Stiftung Kunstsammlung Teo Jakob die Ausstellung «Condition d’usage».
Der Eintritt ist für Ticketinhaber:innen der Messe frei,
eine Anmeldung ist obligatorisch
teo jakob unterstützt das Kulturformat Engadin Art Talks seit mehreren Jahren mit Möblierungen und begleitet das Programm auch in Genf.